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Aus »Das Jahr des Heils«. Gedichte 2006, Vers 16889 bis 16962

EIN DEUTSCHES REQUIEM


In memoriam Johannes Brahms

Die Toten lechzen nicht nach Trost,
Sie sind bewahrt von Fehl und Fall,
Es wird kein zweites Mühn erlost,
Und dauernd ist des Reiches Wall,
Sie ruhen ganz in dessen Kür,
Der gnadenreicher nicht gedacht
Sein kann, und tuen nichts dafür,
Daß er sie frei und eigen macht.

Doch was da lebt und hinterbleibt,
Weint Sturz und Bürden, Lob und Last,
Daran er sich erhebt und reibt,
Tieftraurig nach, es scheint verpaßt,
So vieles, wenn das Herz entweibt,
Entpflichtet und vom Schoß geschaßt,
Sich schaut als Blatt, das Herbstwind treibt,
Wo durch Alleen in blinder Hast
Die Tage ziehn, die Leben schreibt.

Wer Liebe litt, die Tröster kennt
In unsers Hoffens Tradition
Im neun, im alten Testament,
Auch daß ihm Apokryphes lohn,
Ist ihm vertraut, die Scheu verbrennt
Das Eins von Schau und reifem Mohn,
Und deutscher Laut ist ihm Allmend
Für das Gemüt und die Passion.

Wer in bescheidnem Hause reift,
Wo deutsche Tugend eng und zag,
Vergißt nicht, wie der Engel streift
Und wie die Stimme spricht im Hag,
Er weiß, daß die Berufung greift,
Daß sie verlangt, daß er es wag,
Drum kündet er, wenn Schmerz ihn schleift,
Daß selig ist der Leidenstag.

Der Leib ist ein vergänglich Ding,
Doch oft verleugnens Aug und Mund,
Wer werdend in Geschichte ging,
Hat oft zu Klag und Stöhnen Grund,
Wir hegen ihn, daß er uns bring
Zum Grab, und ist er mal gesund,
So mahnt die Zeit, daß uns verschling
Vertanen Tags Gewissenswund.

Allein der Herr kann uns befrein
Und lehren, was uns gut und not,
Er will uns jede Stunde weihn
Und treulich nährn mit Wein und Brot,
Drum muß nach ihm die Seele schrein
Und wahrhaft wolln, was er uns bot,
Denn schließt das Herz der Starrsinn ein,
Ist es von Teufelsmacht bedroht.

Allein bei ihm ist Horst und Heim,
Wer wandern muß, bleibt unbehaust,
Dem Feind geht mancher auf den Leim,
Weil ihm vor so viel Freiheit graust,
Wir kommen her aus Schmerz und Schleim
Ins Licht, wo herrschen Schwert und Faust,
Und hilflos ist der Seelenkeim,
Wenn du nicht auf den Heiland baust.

Die Trauer macht uns groß und reif,
Doch ist auch sie nicht Bleibens Statt,
Ein Tal von Jammer und Gekeif
Versteht das Frohwort klamm und platt,
Der lag im Grabe kalt und steif,
Erhob sich und macht tausend satt,
Die Schlange beißt sich in den Schweif,
Weil er die Zeit verwunden hat.

Daß Tote selig sind, beschließt
Den Kreis, denn dies ist uns gewollt,
Wen da des Lebens Pein verdrießt,
Der weide sich an diesem Gold,
Doch hat das Leben nicht vermiest
Der Herr, der es so hoch verzollt,
Wir sollen preisen, was da fließt,
Und alle Schöpfung bleibt uns hold.