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Aus »Das Jahr des Heils«. Gedichte 2006, Vers 16522 bis 16593

NOTBURGA VON HOCHHAUSEN


Im Sagenborn der Grimmschen Brüder
Liegt mancher Schatz von deutscher Art,
Mal ist die Weise frech und rüder,
Mal ist sie wundersam und zart,
Man hört von Recken und von Dirnen,
Von Furchtsamkeit und Glaubensmut,
Was deutsch geglüht in Ahnenstirnen,
Rauscht Erb und Enkeln frisch im Blut.

Von Treu und Trutz ist hier die Rede,
Den Schriftgelehrten innerst fremd,
Der wer nichts weiß von Feind und Fehde,
Wie ein Gebot das andre stemmt,
Der soll des Volkes Reim studieren,
Daß er den Finger Gottes schau
In Tränen, die die Raine zieren
Als Perlenschnur im Heimatgau.

Manch Hoffahrt will das Volk verehren
Und dichtet ihr den Engelsglast,
Auch manchen, die das Land verheeren,
Wird ehrfuchtsvoll ein Schein verpaßt,
Das Volk hat seine eignen Pfade,
Hie Feind zu schaun und da den Christ,
Ihm ist kein Widerspruch zu schade,
Und ob die Rede glaubhaft ist.

Es dichtet Fremdes und Erlebtes
Und liebt die Demut wie den Witz,
Und wie ein ohne Saum Gewebtes,
Macht geltend die Gestalt Besitz
Am Lied, das zwischen Hall und Hader
Nicht Ausgang weiß im Labyrinth,
Wir folgen einer Silberader,
Nicht Garn, zu dem man Flachs verspinnt.

Notburga hieß die stolze Göre,
Die Vater schreckt mit Weibsgeheul,
Daß sie dem Wendenfürst gehöre,
Ist ihr ein Ekel und ein Greul,
Wir wissen nichts von seinen Pickeln,
Noch was die Maid ansonsten stört,
Er zählt zu Kobolden und Nickeln
Und was dem Teufel angehört.

Sie wird ins Recht gesetzt, da Heiden
Unmöglich gut zu Lieb und Eh,
Daß Freiheit im Gefolg der Leiden,
Und daß sich lohn gewähltes Weh,
Das lehrt die Flucht in eine Höhle,
Wo eine Hirschkuh hegt und nährt,
Es hilft kein Prahln und kein Gegröle,
Wenn wer sich von der Ordnung kehrt.

Es soll der Leichtsinn nicht vermuten,
Der Ausstieg sei ein feiles Ding,
Undeutbar sind des Volkes Gluten,
Wer weiß, welch Urteil schließ den Ring,
Doch ists Notburga wohl gelungen,
Daß man ihr Weigern heilig sprech,
Wird hier ein Schicksal hoch besungen,
Nennt man ein andres nichts als frech.

Daß Vater ihr den Arm entrissen,
Kennt man als Schrecken seiner Macht,
Man will von heilen Kräutern wissen,
Die eine Schlange hergebracht,
Da sie verstirbt, ziehn weiße Stiere
Den Wagen mit dem Sarg zur Stadt,
Daß sie die junge Kirche ziere,
Die ihre Not begründet hat.

Dort ehrt man sie in der Kapelle
Und mancher wallfährt nach dem Ort,
Er trägt aus ihrer Krypta Helle
Und eine große Hoffnung fort,
Da bleibt Chronisten nichts zu deuteln,
Noch Philosophen Grund und Satz,
Das Volk zahlt stets aus kleinen Beuteln,
Doch grundlos bleibt sein Märenschatz.