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Aus »Deutsche Passion«. Gedichte 2006, Vers 13784 bis 13943

DIE BURG ZU GARTEN


Die alte Burg am Gartensee,
Wo Ortnit, der Lombardenheld,
Sich einst ein Weib, das ihm gefällt
Und würdig sei für Kron und Eh,
Zu suchen, einem goldnen Ring
Der Mutter folgt ins tiefe Land,
Noch einmal von der Minne sing,
Von Glück und Leid im Ritterstand.

Theoderich hat einst erbaut
Die stolze Wehr am Gartenstrand,
Nicht einmal Rotbart hat berannt
Den Wall, der unbezwingbar schaut,
Doch schützt ein Heim nicht vor Gefahr,
Die uns der Herr in Blust und Quest,
Noch ehe etwas ward und war,
Als unausweichlich legte fest.

Der Ring am Finger, Stein-geziert,
In Wildnis führt den Rittersmann,
Der Held, der um die Liebe sann,
Die Pfade und die Zeit verliert,
Bis unter einer Linde, hehr,
Sie böte hundert Mann Geschatt,
Er richtet sich zur Ruhe her
Auf einem Anger, blumensatt.

Ob es in einem Traume war,
Die Sage meint, der Nebel wich,
Der Elfenkönig Alberich,
Prüft lang und spricht am Ende klar,
Er ist der Ahn und folgt dem Ring,
Sein Zauber front dem stolzen Sohn
Bei jeder Ehr und jedem Ding,
Solang er nicht verliert den Thron.

Die Fürsten rings sind Ortnits Lehn,
Drum sei der Heid in Montabur,
Deß Tochter manches Lied beschwur,
Als hold und wonnig anzusehn,
Sein Ziel, der Elb holt aus dem Berg
Das Rosenschwert, die Rüstung licht,
Daß es dem Sohn im großen Werk
An Würde nicht und Glanz gebricht.

Sie brechen auf, Messina-her
Die Flotte erst nach Suders flieg,
Wo Ortnits Oheim Heidenkrieg
Seit langem führt zu Heilands Ehr,
Am Ziel, mit Schädeln rings beflankt
Der Werber um die holde Maid,
Ist bald der König angelangt,
Mit Roß und Harnisch kampfbereit.

Der Albe, den ein Mantel tarnt,
Betritt die Zinnen, Fries und Sarg
Der Heidengötter, Schleudern arg,
Und manches Trumm, das wehrt und warnt,
Wirft in den Graben er gewitzt,
Dann tritt er zu der jungen Braut
Und zeigt ihr wie im Streite blitzt
Der Recke, dem sie gern vertraut.

Sie fliehn und der Verfolger Schlacht
Fügt, daß Ortnit den Feldherrn fängt,
Weibs Vater er das Leben schenkt,
Daß freund ihm sei die Heidenmacht,
Doch die Geschenke, die nach Haus
Ihm folgen, trügen und dabei
Ist eine Brut, die bald zu Graus
Sich auswächst aus dem Lindwurmei.

In einer Grotte bei Trient
Schlingt alles Wild das Echsentier,
Bald gibt es keine Nahrung hier,
Sein Schlund das erste Dorf verbrennt,
Der Schrecken wächst, das Land verheert
Der Drache, der die Christen frißt,
Und dessen Gier den Herrn entehrt,
Der in der Burg ein Schatten ist.

Das Kleinod seines Minneglücks,
Sie weint und warnt von einem Kampf,
Gepanzert knickt des Tiers Gestampf
Die Eichen, schleudert hinterrücks
Mit seinem Schweife Fels und Haus,
Es hält kein Schild der Lohe stand,
Wer zieht zu einem Streite aus,
Er wird mit Hund und Roß verbrannt.

Der Himmel fügt uns Glück und Weh,
Doch sei gesetzt das Königswort:
Der Rittersmann, der rächt den Mord,
Sei Erb und Herr am Gartensee –
Der Lohe weicht er aus geschickt,
Ein Quarz, geschleudert, trifft ihn scharf,
Die Schwerthand ihm vom Leibe knickt,
Daß er den Ring zu Boden warf.

Nur weiß sein Mut, das Spiel ist aus,
Das Leben folgt gewiß dem Ring,
Doch eh das Untier ihn verschling
Wie eine Katz die graue Maus,
Vertraut er sich dem Heiland an,
Der mit dem Tod den Tod besiegt,
Daß er empfang den Rittermann,
Wenn linkerhand das Schwert nicht siegt.

Er stürzt sich auf den Kragenrand,
Gezackt mit Splittern Urgesteins,
Da werden Traum und Flamme eins,
Er schaut noch mal das Gartenland,
Die Burg, das Weib, das keinen Knab
Und keinen Erben ihm gebar,
Und die kein Stein am Blumengrab
Erwartet, daß sie tot ein Paar.

Und während Ortnit kämpft und stirbt,
Reift andernorts aus Gottes Plan,
Beschattet rings von Nacht und Wahn,
Der Sproß, der um die Krone wirbt,
Am stolzen Byzantinerthron
Getuschelt wird, es sei nicht klar,
Wen wohl zum Vater hätt der Sohn,
Den grad die Kaiserin gebar.

Dem treuen Bechter aus Meran
Befiehlt der Herr des Kindes Tod,
Der weigert sich, der Kaiser droht
Ihm furchtbar, kündigt Schrecken an,
Bis er ihm nachgibt und im Schlaf
Der Mutter raubt das Wickelkind
Und samt der Bürde, die ihn traf,
Die Mähre spornt im Maienwind.

Da Milde und Gehorsam Streit
Im Herzen führn, bald hin, bald her,
Wird ihm die Mörderwaffe schwer,
Er tut zuletzt dem Kind kein Leid,
Er läßt es frei am Weiher gehn,
Wenn es, berauscht von Lilienpracht,
Ertränk, sei Kaisers Will geschehn
Und er dürft schlafen in der Nacht.

Das Kind spielt auf der Wiese lang,
Bis Wölfe nahn und schnobernd sehn,
Daß Ungemach und Untergang
Den drohn, die sich an ihm vergehn,
Der Bechter schauts als Gotteswort,
Wolfdietrich er als Name schreibt
Dem Kind und führts in seinen Hort,
Dem Clan als Ziehsohn einverleibt.

Die Herrin klagt im Mutterschmerz,
Der Kaiser folgt Verleumders Rat,
Bezichtigt Bechter finstrer Tat,
Zu Widerstand faßt keiner Herz
Im Rittersaal, nur Baltram wagt
Zu fordern, daß ein Schwertkampf richt
In dieser Sach, und Wahrheit tagt,
Daß das Gerücht zusammenbricht.

Wolfdietrich wächst zu Wolfes Grimm,
Er ist der Held, den Gott erwählt,
Zu seinen Taten, hehr und schlimm,
Der Reif des Feuerdrachen zählt,
Sein Schwert brach ihm im Kampf entzwei,
Der Drache schleppt ihn in die Hohl,
Wo Ornits Schwert, der Ring dabei,
Verbürgen Sieg und fürder Wohl.

Die Königin am Gartensee
Erkennt am Ring der Schwiegermam,
Daß Gott ihr sandt in ihren Hamm
Die zweite Gnad zu Kron und Eh,
Der Herold macht dem Volk bekannt,
Daß wieder stolz die Aue gleißt,
Daß wieder Frieden herrscht im Land
Und daß der Herr Wolfdietrich heißt.