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Aus »Deutsche Passion«. Gedichte 2006, Vers 14343 bis 14390

HARRAS


Der Ritter Harras sitzt allein
Auf seiner Burg zu Lichtenwald,
Er ging so gern die Ehe ein
Mit Luitgard, monden von Gestalt,
Doch Schellenberger ist sein Feind,
Und Vater der begehrten Maid,
Kein gutes Wort die Fehde eint,
Und einsam geht die Sommerzeit.

Bei Schellenberger wächst der Haß,
Wenn er die Burg von weitem sieht,
Besinnt er nur, wie er sie schaß
Und seinen Feind zu Tode kriegt,
Da meldet ihm ein Knappe hell,
Daß Harras an der Flöha Gmünd,
Den Überfall beschließt er schnell
Und weiß nichts mehr von Brauch und Sünd.

Die Route führt durch finstern Wald,
Hier birgt der Mörder sein Gesind,
Das Laubicht deckt den Hinterhalt,
Die Lichtenwälder reiten blind,
Die Rotte schlägt gewaltig drein,
Und rasch färbt sich die Aue rot,
Doch Harras wendt sein Roß zum Hain
Und flieht mit Macht den sichern Tod.

Bald holen die Verfolger auf,
Da schaut er eine Lichtung vorn,
Tief unten trennt der Zschopau Lauf
Den Rittersmann vom Heimatsporn,
Er wagts, er stürzt mit kühnstem Sprung
Ins Flußbett, seiner Rettung hin,
Ein Springborn netzt die Dämmerung
Und Gottes Wunder leuchtet drin.

Die Mähre findt im Strome Tod,
Doch er schwimmt sich zum Ufer frei,
Dem sich ein solches Schauspiel bot,
Bestimmt der Sprung, daß er verzeih,
Wer solchen Muts und solcher Gnad,
Führt Heil und Segen ins Geschlecht,
Drum ist dem Nachbarn nach der Tat
Die Eh mit seiner Tochter recht.

Noch heute man die Klippe schaut,
Wo Mut das Menschenmaß beschämt,
Hier rettet nicht nur seine Haut
Der Reiter, den kein Schrecken lähmt,
Hier ward ein Mal den Erben gut,
Das spricht vor Gott und dem Gericht
Von deutscher Art und deutschem Mut
Und des Gerechten Ehr und Pflicht.