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Aus »Fliederblüten«. Gedichte 1981, Vers 731 bis 766

INKARNATION


Ich trottete, von Sonnenlicht geblendet,
Auf zähem, aromatischem Asphalt,
Die Wärme, arg im Lichtertanz verschwendet,
Lag wie Musik im grünen Hinterhalt.

Und ozeanisch weit, wie Moos weich-eben
Gedieh die Zeit und harrte dem Vertreib,
Die Müdigkeit, die Müdigkeit am Leben
Umrankte wie ein Trauerflor den Leib.

Die Nacht lag in der Sonne, sie besamte
Die Erde mit Verrat und dunkler Gier,
Gestaltloser Unendlichkeit umrahmte
In Wandlungen den Himmelshof der Stier.

Doch bald zerfiel das Bild aus Unterpfänden,
Zertrieb ein zwingendes Gefühl den Deich,
Fuhr wie ein Blitz aus grauen Wolkenwänden
Die Schönheit, blaß und sommerwarm zugleich.

Ein Engel schritt mit Leichtigkeit, die Füße
Berührten nicht den aufgeweichten Teer,
Ich war zu wach, so daß ich meine Grüße
Nicht wiederfand und schrecklich schwieg wie er.

Doch Sturmwind, den sein Atem jäh entfachte,
Trieb Feuer, das aus dunklem Auge loht,
Und auch der Skarabäus, den er brachte,
Wies mir den Weg in den erwählten Tod.

Oh – rief ich aus – die deine Art zu lieben:
Im Blütenkelch der Welt entrückt zu sein,
Im Löwenmaul des Eros gleich den Dieben
Des Himmels stehn. Du kennst die Antwort: Nein!

So rief ich, und für die verbrannte Kehle
War nirgends eine Linderung bereit,
Ich blieb allein und nackt an Leib und Seele,
Gefallen in den Ozean der Zeit.

Ich trottete, von Sonnenlicht geblendet,
Auf zähem, aromatischem Asphalt,
Die Wärme, arg im Lichtertanz verschwendet,
Lag wie Musik im grünen Hinterhalt.